Aktuelle Debatten und bisherige Untersuchungen aus unterschiedlichen Bundesländern verweisen darauf, dass bei Professor*innen an staatlichen Hochschulen im Bereich der W-Besoldung ein Gender Pay Gap besteht. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Vergütungsstrukturen an Hochschulen nicht nur durch formale Besoldungsordnungen geprägt sind, sondern auch durch institutionelle Praktiken und Aushandlungsprozesse, die Ungleichheiten befördern können. Für Berlin fehlt bislang eine vergleichbare, hochschulübergreifende Untersuchung, die sowohl das Ausmaß als auch die Ursachen solcher Unterschiede systematisch erfasst. Vor diesem Hintergrund wurde im Hochschulvertrag 2024–2028 die Durchführung einer externen Studie verankert.
Mit ihr soll erstmals für den Berliner Hochschulraum eine fundierte und differenzierte Analyse des Gender Pay Gap in der Professor*innenschaft vorgelegt werden.
Der Fokus liegt dabei auf der systematischen Erhebung und Auswertung quantitativer Daten sowie auf der Ergänzung durch qualitative Methoden, die Ursachen und Mechanismen hinter den Gehaltsunterschieden sichtbar machen. Hierbei kommen im Verlauf der Studie unterschiedliche sozialwissenschaftliche Methoden zum Einsatz:
- eine quantitative Bestandsanalyse von Personaldaten
- eine standardisierte Befragung der Professor*innen
- Interviews mit Expert*innen sowie Fokusgruppen (Professorinnen, Hochschulleitungen und Gleichstellungsakteure der Hochschulen)
Die Ergebnisse werden anonymisiert und nach Hochschultypen aggregiert dargestellt.
Die Freie Universität Berlin (FUB) hat stellvertretend für die elf Berliner Hochschulen sowie die Charité die Koordination der Durchführung dieser Studie übernommen. Die Landeskonferenz der Rektor*innen und Präsident*innen der Berliner Hochschulen (LKRP) hat die Schirmherrschaft über das Vorhaben inne.
*Informationen für Studienteilnehmende*
Online-Umfrage: Wir führen eine standardisierte Befragung in der gesamten Berliner Professor*innenschaft (W2/W3) durch. Die Befragung erfolgt anonym und datenschutzkonform und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Ziel der Befragung ist es, aussagekräftige Erkenntnisse über strukturelle Einflussfaktoren auf die Vergabe von Leistungsbezügen im Rahmen der W-Besoldung zu gewinnen. In der Befragung werden insbesondere folgende Thematiken behandelt: Beantragungsaktivitäten und Zugangskriterien, Einflussfaktoren wie Sorgearbeit, Gremientätigkeit, Lehrdeputate, Drittmittel- und Publikationsstärke, die Zusammensetzung von Berufungskommissionen oder auch Erfahrungen in Berufungs- und Bleibeverhandlungen.
Interviews: Mittels Interviews mit Fachexpert*innen sollen vertiefende qualitative Erkenntnisse zu den strukturellen Rahmenbedingungen, institutionellen Praktiken und individuellen Strategien im Kontext der leistungsbezogenen Vergütung nach W-Besoldung gewonnen werden. Die Interviews sind leitfadengestützt und dauern ca. eine Stunde. Die Zielgruppen sind Professorinnen, Mitglieder von Hochschulleitungen und Gleichstellungsakteur*innen. Dabei sollen mögliche geschlechterbezogene Unterschiede in den Abläufen, Dynamiken und Ergebnissen von Berufungs- und Bleibeverhandlungen systematisch erfasst und analysiert werden. Darüber hinaus werden Strategien und Erfahrungen im Verhandlungsverhalten, die institutionelle Ausgestaltung und Transparenz des Systems der Leistungsbezüge, die wahrgenommene Wirksamkeit sowie deren Grenzen untersucht.
Durch Ihre Mitwirkung an der Studie können Sie zur Gewinnung von Informationen im Hinblick auf weitere strukturelle Maßnahmen und Verbesserungen beitragen – und damit zu einer Verbesserung der Entgeltgerechtigkeit: Ihre Expertise ist gefragt!
Bei Interesse an einem Interview oder Fragen zur Studie kontaktieren Sie: GenderPayGap-Studie@isg-institut.de
*Hier finden Sie Informationen zur Verarbeitung personenbezogener Daten*: